26. August 2011

Umerziehung des Gefühls: Der totalitäre Antifaschismus der Frankfurter Schule

Adorno: Die bürgerliche Familie ist eine Keimzelle des Faschismus

Neulich habe ich hier Briefe Th. W. Adornos an seine Mutter zitiert, die den Hausgötzen des linken Bildungsbürgertums in unschönem Lichte zeigen. So abstoßend die Zitate sind, die der Öffentlichkeit erst 2003 bekannt wurden, konnten sie doch niemand überraschen, der sich mit dem Werk Adornos beschäftigt hat, denn Adorno hat aus seiner elitären Menschenverachtung nie einen Hehl gemacht, wie dieser Aphorismus aus den 1951 erschienenen "Minima Moralia" zeigt:
"Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen."
Dass Adorno die Idealbesetzung für den Posten des politischer Kommissars für das Erziehungswesen gewesen wäre, beweist die von einem Team* unter seiner Leitung verfasste Studie "The Authoritarian Personality", die 1950 vom American Jewish Committee veröffentlicht wurde.

In diesem Werk gehen Freudianismus und freudloser Marxismus eine ungute Ehe ein**. Ihre uns auch heute noch tyrannisierenden Kinder sind staatliche 'Gesellschaftspolitik' und politisierte Pädagogik. Beide dienen dem gleichen Ziel: der Revolution auf Samtpfoten, die an die Stelle der Arbeiterrevolution treten soll. 

Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts war jedem Denkenden klar, dass der klassische Marxismus als Theorie sozialen, ökonomischen und politischen Handelns versagt hatte. Der von Marx prognostizierte Zusammenbruch des Kapitalismus war ebenso ausgeblieben wie die 'Verelendung' der wachsenden Arbeitermassen. Wichtiger noch: Die Arbeiter weigerten sich hartnäckig, die Rolle einer revolutionären Kraft zu spielen, die Marx ihnen zugeschrieben hatte. Und wenn sie sich tatsächlich einmal in Marsch setzten, dann erklang nicht die "Internationale", sondern die "Wacht am Rhein" (um von anderen Liedern hier zu schweigen).

Der Marxismus-Leninismus verzichtete deshalb darauf, die Massen zu organisieren, und suchte sein Heil im Putschismus: Eine kleine gewaltbereite Elite (die 'Partei') führt die Arbeiter - auch gegen deren erklärten politischen Willen - in die Revolution. Die 'Diktatur des Proletariats' wurde zur Diktatur über das Proletariat.

Gerechtfertigt wurde dieser Schwenk mit der These, dass sich die Arbeiter über ihre 'wahren' Interessen täuschen und dass nur eine kleine Minderheit in der Lage ist, den Charakter des Kapitalismus und der bürgerlichen Demokratie zu durchschauen. Die verblendeten Massen müssen zu ihrem Glück gezwungen werden***.

Diese Analyse wurde von den 'Frankfurtern' geteilt (Adorno und Horkheimer waren - zumindest bis in die vierziger Jahre hinein - Leninisten) und gleichzeitig radikalisiert:

Während der klassische Marxismus seine Angriffe auf Kapital und Staat konzentrierte, sahen die Frankfurter in der 'bürgerlichen Familie' eine weitere Verderben bringende Institution: Hier wurde das Kind in die moralische Ordnung eingeführt; hier lernte es, die Normen der bürgerlichen Gesellschaft zu respektieren; hier wurden die Denk- und Verhaltensweisen eingeübt, die für die Teilnahme am Markthandeln erforderlich sind.

Wer die Gesellschaft revolutionieren wollte, durfte sich deshalb nicht darauf beschränken, die Macht im Staat an sich zu reißen und die Produktionsmittel zu verstaatlichen - er musste den Wesenskern des Individuums verändern, der sich in der bürgerlichen Familie herausbildet.

In "The Authoritarian Personality" heißt es in naiver Unverblümtheit:
"The prospects for healthy personality structure would be greater if the proper influences were brought to bear earlier in the individual´s life,and since the earlier the influence the more profound it will be, attention becomes focused upon child training. It would not be difficult (...) to propose a programm which could produce nonethnocentric personalities. (...) But all the features of such a programm would have the aspect of being more easily said than done. For ethnocentric parents, acting by themselves, the prescribed measures would probably be impossible. (...)
It seems obviously therefore that the modification of the potentially fascist structure cannot be achieved by psychological means alone. The task is comparable to that of eliminating neurosis, or delinquincy, or nationalism from the world. These are products of the total organization of society and are to be changed only as that society is changed. (...) The problem is one which requires the efforts of all social scientists." (S. 975)****
Man kann die Bedeutung dieses Programms kaum überschätzen:

Im liberalen Staatsmodell kam dem Staat im wesentlichen die Aufgabe zu, Leben und Eigentum seiner Bürger nach innen und außen zu schützen. Ehe und Familie sowie die von den Bürgern eingegangenen Vertragsbeziehungen galten als dem Staat vorgängig.

Der liberale Rechtsstaat ist geradezu dadurch definiert, dass er dem Staatshandeln eine unüberschreitbare Grenze setzt: den innersten Freiheitsbereich des Individuums. Nichts anderes meint etwa die Rede von der unantastbaren Würde des Menschen und von dem besonderen Schutz, den Ehe und Familie genießen.

Demgegenüber sahen die Frankfurter es gerade als Aufgabe politischen Handelns, das vorhandene Menschenmaterial zu transformieren. Wer sich außerhalb des - durch die linke Elite definierten - gesellschaftlichen Konsenses stellt, steht fortan unter dem Verdacht, psychisch beschädigt zu sein. Die ihm in seiner Sozialisation angetane seelische Gewalt hindert ihn am vernünftigen Denken und Handeln. Wer 'rechts' steht, ist nicht einfach nur ein von anderen Wertüberzeugungen geleiteteter Gegner - er ist ein Neurotiker oder gar Psychotiker, der nicht weiß, was er sagt, und nicht versteht, was er tut.

Die spätere Praxis der Sowjetunion, Dissidenten zu psychiatrisieren, findet hier ihre vorweggenommene Rechtfertigung.

Es ist kaum zweifelhaft, dass die Agenda der 'Frankfurter' unter normalen Umständen keinerlei Chance auf Erfolg gehabt hätte.

Nach den staatlich organisierten Massenmorden des Nationalsozialismus schienen die bürgerlichen Institutionen aber hinreichend diskreditiert, um das Programm einer re-education sentimentale auf die Tagesordnung setzen zu können.

... wird fortgesetzt

* Neben Adorno waren auch Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford an der Studie beteiligt.

**Ein Thema für sich ist die Behandlung, die die Psychoanalyse unter den Händen der Frankfurter erfährt. Die psychoanalytische Therapie - über deren Wert andere entscheiden mögen - beruht auf einem freiwillig eingegangen Kontrakt zwischen Patient und Therapeut. Bei den Frankfurtern wird die Psychoanalyse demgegenüber zu einer Waffe, die gegen den politischen Gegner eingesetzt wird, der als psychisch beschädigt (neurotisch, paranoid) diskreditiert werden soll.

***Das Werk "Geschichte und Klassenbewusstsein" des ungarischen Marxisten Georg Lukács bemüht sich um eine philosophische Begründung dieser These. Es ist eines der Gründungsdokumente des Neomarxismus.
**** Im unmittelbaren Kontext geht es um das Problem der 'ethnozentrischen Persönlichkeit'. Das gleiche Programm galt aber auch für 'konservative Persönlichkeiten'.


Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Sehr gut beobachtet, mit einigen neuen Aspekten für mich. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Morgenländer hat gesagt…

Danke für die Rückmeldung!

Als weitere Beiträge sind Artikel über die Studie "The Authoritarian Personality" sowie zum Thema "Gesellschaftspolitik" geplant.

Viele Grüße
Morgenländer