31. August 2010

Sarrazin und der deutsche Volkstod

Sarrazin erklärt es zu Ziel deutscher Politik, den deutschen Genpool zu verbessern,
etwa durch die Senkung der Geburtenrate 'unintelligenter' Eltern, eine Forderung in der
Tradition deutscher Rassenhygiene (das Foto zeigt ein Plakat 
der NS-Ausstellung "Wunder des Lebens" von 1935)

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat Sarrazin vor einigen Tagen den Eintritt in die NPD nahegelegt und dafür bei vielen ein Stirnrunzeln geerntet. Sarrazins verbale Entgleisungen sind das eine, seine politischen Forderungen das andere, sagen viele.

Eine Lektüre von "Deutschland schafft sich ab" zeigt dann aber, dass Sarrazin sich mit seinen politischen Forderungen tatsächlich außerhalb des Spektrums demokratischer Politik bewegt.

In seinem Buch fordert der Bundesbanker, weitere Zuwanderung nach Deutschland mit Ausnahme hochqualifizierter Experten generell zu beenden (S. 329). Das Grundgesetz, das dies ausschließt, müsse entsprechend geändert werden. Also: Abschaffung des Asylrechts, Verbot des Familiennachzugs, keine Ehen Deutscher mit Ausländern und entsprechende Verfassungsänderungen - was ist dies anderes als das NPD-Programm?

Auf der vorletzten Seite seines Buches erklärt Sarrazin es zu einem anzustrebenden Ziel deutscher Politik, durch Reformen bei den Sozialtransfers die Fruchtbarkeit bei den Migranten aus Nah- und Mittelost sowie aus Afrika unter den bundesdeutschen Durchschnitt zu senken (S. 407). Gleichzeitig sollen Geburtsprämien von 50.000 Euro pro Kind (S. 390) deutsche Akademikerinnen anhalten, Kinder zu zeugen.

Auf diese Weise sollen die demographische Auszehrung des intellektuellen Potentials in Deutschland und der deutsche Volkstod aufgehalten werden.

Auch dies sind politische Zielvorstellungen, die sonst nur in der NPD zu finden sind. Natürlich steht es jedem frei, diese Forderungen diskutieren zu wollen. Dann sollte man aber gerechterweise zur nächsten Talkshow auch diejenigen einladen, die auf derlei Parolen das politische Copyright haben.

In der FAZ von heute findet sich ein exzellenter Artikel von Frank Schirrmacher zum Thema.

Nachtrag: Sarrazin und das Juden-Gen

Ich habe hier Sonntag über Thilo Sarrazins Behauptung nachgedacht, alle Juden hätten ein Gen gemeinsam. Sarrazin selbst hat gestern eine schriftliche Erklärung abgegeben, in der er ausführt, er habe sich nicht hinreichend präzise ausgedrückt. Er beziehe sich auf neuere Forschungen aus den USA:

"Ich bin kein Genetiker. Aber ich habe zur Kenntnis genommen: Aktuelle Studien legen nahe, dass es in höherem Maße gemeinsame genetische Wurzeln heute lebender Juden gibt, als man bisher für möglich hielt."

Nach einer Erklärung, dass dies kein Werturteil und keine Aussage über eine 'jüdische Identität' beinhalte, beendet er seine Ausführungen mit den Worten:

Über diese Forschungsergebnisse hatte ich im Berliner „Tagesspiegel“ gelesen, davor hatte die New York Times darüber berichtet - und viele andere Medien auch. Die beiden von einander unabhängigen Studien wurden in den renommierten Fachzeitschriften „Nature“ und „American Journal of Human Genetics“ im Juni 2010 veröffentlicht.

Wenn neue genetische Forschungen zeigen, dass viele heutige Juden zahlreiche Gene von einer ursprünglichen jüdischen Bevölkerungsgruppe, die vor etwa 3000 Jahren im Nahen Osten lebte, gemeinsam haben, ist das zunächst einmal interessant. Politisch ist diese These neutral. Um eine rassistische Äußerung handelt es sich nicht."

Aus dem Juden-Gen sind nun also "zahlreiche Gene" geworden, die viele heutige Juden gemeinsam haben. Sarrazin findet das interessant. Ich finde es zum Gähnen. Vergleicht man zwei x-beliebige Menschen, sind 99,9 Prozent aller Gene gleich. Nur 0,1 Prozent des Genoms machen all das aus, was einen Menschen vom anderen trennt. Im übrigen verwechselt Sarrazin immer noch die Gene mit den mutierten Genabschnitten, die Humangenetiker zur Entdeckung von Verwandschaftsverhältnissen nutzen.

Nicht zum Gähnen, sondern höchst bemerkenswert finde ich hingegen, dass einem Mann, der sich selbst zur Bildungselite zählt, eine Verwechslung der Aussagen "Einige Juden teilen einige genetische Merkmale" und "Alle Juden tragen ein bestimmtes Gen" unterläuft.

Das allein macht ihn noch nicht zum Rassisten*; aber wer Sarrazin schon lange für einen Dummschwätzer gehalten haben sollte, wird sich durch diese Episode wohl bestätigt sehen.

*Frank Schirrmacher, der Sarrazin nicht für einen Rassisten, aber für einen Biologisten hält, hat gestern in der FAZ sehr Bedenkenswertes zu dem Weltbild des Bundesbankers gesagt.

Adam Smith über Ausmaß und Nutzen menschlicher Ungleichheit

In dreißig Jahren ein Philosoph oder ein Packer? (Foto: Arad)

"The difference of natural talents in different men, is, in reality, much less than we are aware of; and the very different genius which appears to distinguish men of different professions, when grown up to maturity, is not upon many occasions so much the cause, as the effect of the division of labour. The difference between the most dissimilar characters, between a philosopher and a common street porter, for example, seems to arise not so much from nature, as from habit, custom, and education. When they came in to the world, and for the first six or eight years of their existence, they were, perhaps, very much alike, and neither their parents nor play-fellows could perceive any remarkable difference. About that age, or soon after, they come to be employed in very different occupations. The difference of talents comes then to be taken notice of, and widens by degrees, till at last the vanity of the philosopher is willing to acknowledge scarce any resemblance. But without the disposition to truck, barter, and exchange, every man must have procured to himself every necessary and conveniency of life which he wanted. All must have had the same duties to perform, and the same work to do, and there could have been no such difference of employment as could alone give occasion to any great difference of talents.

As it is this disposition which forms that difference of talents, so remarkable among men of different professions, so it is this same disposition which renders that difference useful. Many tribes of animals, acknowledged to be all of the same species, derive from nature a much more remarkable distinction of genius, than what, antecedent to custom and education, appears to take place among men. By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a grey-hound, or a grey-hound from a spaniel, or this last from a shepherd's dog. Those different tribes of animals, however, though all of the same species are of scarce any use to one another. The strength of the mastiff is not in the least supported either by the swiftness of the greyhound, or by the sagacity of the spaniel, or by the docility of the shepherd's dog. The effects of those different geniuses and talents, for want of the power or disposition to barter and exchange, cannot be brought into a common stock, and do not in the least contribute to the better accommodation and conveniency of the species. Each animal is still obliged to support and defend itself, separately and independently, and derives no sort of advantage from that variety of talents with which nature has distinguished its fellows. Among men, on the contrary, the most dissimilar geniuses are of use to one another; the different produces of their respective talents, by the general disposition to truck, barter, and exchange, being brought, as it were, into a common stock, where every man may purchase whatever part of the produce of other men's talents he has occasion for." (Adam Smith, The Wealth of Nations, Buch I, Kapitel 2, 1776)

30. August 2010

They are not long ... (E. Dowson)

Pierre-Auguste Renoir, La Promenade (1870)

Vitae summa brevis spem nos vetat incohare longam*
They are not long, the weeping and the laughter,
Love and desire and hate:
I think they have no portion in us after
We pass the gate.

They are not long, the days of wine and roses:
Out of a misty dream
Our path emerges for awhile, then closes
Within a dream.

*Der Epigraph zitiert eine Horazische Ode und lautet ins Deutsche übersetzt: "Des Lebens kurze Spanne verbietet es uns, Pläne auf lange Sicht zu machen."

Der Bräutigam (J.W. v. Goethe)

Darstellung einer Eheschließung auf einer römischen Urne (Foto: Agnete)

Um Mitternacht, ich schlief, im Busen wachte
Das liebevolle Herz, als wär es Tag;
Der Tag erschien, mir war, als ob es nachte -
Was ist es mir, so viel er bringen mag... 

Sie fehlte ja! mein emsig Tun und Streben,
Für sie allein ertrug ich's durch die Glut
Der heißen Stunde; welch erquicktes Leben
Am kühlen Abend! lohnend war's und gut.

Die Sonne sank, und Hand in Hand verpflichtet
Begrüßten wir den letzten Segensblick,
Und Auge sprach, ins Auge klar gerichtet:
Von Osten, hoffe nur, sie kommt zurück!

Um Mitternacht, der Sterne Glanz geleitet
Im holden Traum zur Schwelle, wo sie ruht.
O sei auch mir dort auszuruhn bereitet -
Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.

29. August 2010

Sarrazin und das Juden-Gen

Aaron, Ikone im Kirillo-Belozersky Kloster (17. Jahrhundert)
Sarrazin Die kulturelle Eigenart der Völker ist keine Legende, sondern bestimmt die Wirklichkeit Europas.
WAMS Gibt es auch eine genetische Identität?
Sarrazin Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen. Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.
(Welt am Sonntag, Nr. 35, 29.08.2010)
Sarrazins Ausflug in die Populationsgenetik ist ihm katastrophal missglückt. Ein 'Juden-Gen' ist in der Humangenetik unbekannt. Wovon mag der Bundesbanker und Freizeitrasssist bloß reden? Vermutlich hat er irgendwo etwas über den 'Cohen Modal Haplotyp' gelesen und das Gelesene nicht verstanden:

Die jüdische Tradition, basierend auf der Torah, lehrt, dass alle Kohanim (eine Untergruppe der Leviten) direkte Nachkommen Aarons sind. Die Zugehörigkeit zu den Kohanim wird patrilinear, also vom Vater an den Sohn weitergegeben. Männer, die eine gemeinsame patrilineare Herkunft aufweisen, haben auch das Y-Chromosom gemeinsam, das sich nur durch erworbene Mutationen unterscheidet.

Durch Genanalyse lässt sich der Verwandtschaftsgrad von Menschen ermitteln. Die Varianten eines bestimmten Genmusters, welches zur Identifizerung der Verwandtschaftsgrades genutzt wird, werden von der  Forschung als Haplogruppen bezeichnet.

Genetiker haben 1997 herausgefunden, dass das Y-Chromosom von mutmaßlichen Nachfahren des Ur-Aaron eine Anzahl genetischer Marker gemeinsam hat, die in der Genetik jetzt als 'Cohen Modal Haplotyp (CMH)' bekannt sind. Dies wird von einigen Genetikern als Bestätigung der Hypothese von dem 'Ur-Aaron' angesehen. Der fragliche Haplotyp wird allerdings auch bei Menschen gefunden, die nicht Nachfahren eines Cohen sind, und es gibt mehr Nicht-Cohens als Cohens, die dieses genetische Merkmal aufweisen.

Ein Zusammenhang zwischen dem 'Cohen Modal Haplotyp' und religiösen / kulturellen Eigenschaften seiner Träger wird von keinem Genetiker behauptet. 
 
Alle Juden teilen ein gemeinsames Gen? Nach jüdischer Tradition ist Jude, wer zum jüdischen Glauben übertritt oder wessen Mutter bei der Empfängnis Jüdin ist. Frauen tragen aber kein Y-Chromosom in sich.  Und nur etwa fünf Prozent der männlichen Juden in aller Welt haben überhaupt Cohen-Vorfahren.

A Hymn to God the Father (John Donne)

Sir Isaac Oliver, Portrait John Donnes (vor 1622)

Wilt thou forgive that sin where I begun,
Which was my sin, though it were done before?
Wilt thou forgive that sin, through which I run,
And do run still, though still I do deplore?
When thou hast done, thou hast not done,
For I have more.

Wilt thou forgive that sin which I have won
Others to sin, and made my sin their door?
Wilt thou forgive that sin which I did shun
A year or two, but wallow'd in, a score?
When thou hast done, thou hast not done,
For I have more.

I have a sin of fear, that when I have spun
My last thread, I shall perish on the shore;
But swear by thyself, that at my death thy Son
Shall shine as he shines now, and heretofore;
And, having done that, thou hast done;
I fear no more.

Der größte Sünder

  Hieronymus Bosch, Die sieben Todsünden
und die vier letzten Dinge (ca. 1475 - 1480)
"God has given no one any power of knowing the true greatness of any sins but his own; and therefore the greatest sinner that every one knows is himself." (William Law, A Serious Call to a Devout and Holy Life, 1729)

28. August 2010

Raub und Mord als solides Handwerk betrachtet - Donald E. Westlakes "Parker"-Reihe

Dieser freundlich lächelnde ältere Herr hat einige der
härtesten Thriller der amerikanischen Literatur verfasst

Kennen Sie Parker? Wenn nicht, sollten Sie ihn kennenlernen, solange er zwischen die Deckel eines Buches gebannt ist; eine wirkliche Begegnung etwa auf einem abgelegenen Rastplatz oder in einem schäbigen Motel im amerikanischen Mittelwesten dürfte hingegen zu den unerfreulichsten Erlebnissen im Leben eines  gesetzestreuen und um seine körperliche Unversehrtheit besorgten Menschen gehören. Parker - sein Vorname wird nie genannt - ist ein Mann, der den Raub zu seinem Gewerbe erkoren hat und der nicht davor zurückschreckt, jeden beiseite zu räumen, der zwischen ihm und der Beute steht.

In den USA ist die Anfang der 60er Jahre geborene Thriller-Reihe um den rücksichtslosen Berufsverbrecher ein Mythos, in Deutschland dank liebloser Übersetzungen*  und schlechter Vermarktung eher nicht. Vierundzwanzig Parker-Romane hat Richard Stark zwischen 1962 und 2008 veröffentlicht, mit einer 23 Jahre langen Pause zwischen "Butcher's Moon" (1974) und "Comeback" (1997). Die frühen 'Parker' waren lange vergriffen, jetzt hat University of Chicago Press sie wieder aufgelegt, auch dies ein Zeichen der Wertschätzung, die die Reihe in den USA genießt.

Den Auftakt der Reihe bildete "The Hunter" (1962), ein Thriller, der dreimal (mit Lee Martin als 'Point Blank', mi Chow Yun-fat als "Full Contact" und mit Mel Gibson als 'Payback') verfilmt worden ist. In diesem frühen Rachethriller erleben wir den Gangster auf einem Feldzug gegen seine Ex-Freundin Lynn und seinen Ex-Partner Mal, die ihn hintergangen und fast umgebracht haben, um sich die Beute eines Raubüberfalls allein zu teilen. Parker überlebt die Intrige und reist quer durch die USA, um seiner Feinde habhaft zu werden. Im zweiten und dritten Roman "The Man with the Getaway Face" und "The Outfit" sehen wir Parker im blutigen Konflikt mit der Mafia, unter deren Schutz sich sein Expartner in "The Hunter" vergeblich geflüchtet hatte.

Parker gegen die Mafia: das ist das freie Unternehmertum in Konkurrenz zu den großen und ineffektiven Machtkartellen, und wie in aller Wunscherfüllungsliteratur siegt auch hier das -, naja, vielleicht nicht gerade das Gute, aber doch das weniger abstoßende Schlechte. Denn 'gut' kann man Parker wirklich nicht nennen; er ist kein Robin Hood, der den Reichen nimmt, um den Armen zu geben, nicht einmal ein Michael Kohlhaas, der aus Rechtsgefühl zum Räuber und Mörder wurde - nichts von alledem: Parker ist ein Räuber, weil Verbrechen sich lohnt, wenn es von effektiven Verbrechern begangen wird.

Und effektiv, ja, das ist Parker. Er ist ein Mann, der weiß, wie man seinen Job schnörkellos und routiniert erledigt, und der zur Bestform aufläuft, wenn der Ausnahmefall auftritt und die Routinen versagen. Vielleicht ähnelt er wenigstens darin seinem geistigen Schöpfer, dem Romancier Donald E. Westlake (1933 - 2008), der ein überaus routinierter Schriftsteller war, dessen Prosa aber nie nur routiniert, sondern oft geradezu brillant war. Unter seinem echten Namen schrieb Westlake übrigens komische Thriller um den Gewohnheitsdieb John Archibald Dortmunder; Dortmunder ist der Donald Duck der Krimihelden - ein geborener 'loser', dem bei seinen Aktivitäten zuzusehen ähnlich unterhaltsam ist wie die Beobachtung eines Schimpansen, der Sèvres-Geschirr balanciert.

Wo Dortmunder versagt, siegt Parker. Und während man Dortmunders Eskapaden fröhlich lächelnd und lauthals lachend folgt, liest man die Parker-Romane beklemmt und fasziniert. Parker zu lesen - das ist der Inbegriff von 'guilty pleasures', und wer möchte ganz auf diese verzichten?

*Diese Bemerkung bezieht sich nur auf die Übersetzungen der 60er und 70er Jahre; momentan macht der Zsolnay-Verlag einen neuen Versuch, Parker in Deutschland einzuführen. Diese Übersetzungen kenne ich nicht.

27. August 2010

Wer braucht einen Buchhalter, der nicht rechnen kann?

Wer die mediale Selbstinszenierung des Bundesbankers Thilo Sarrazin abstoßend findet, steht vor einem Dilemma: Äußert man sich, ist man ein (wenn auch nur winziger) Teil der Aufmerksamkeits- und Aufregungs- industrie, schweigt man, heißt es bei den Sarazenen, den Gegnern des sarrazinischen Sozialrassismus seien die Argumente ausgegangen.

Nun gibt es Dinge, über die ich nicht diskutiere, und die ebenso absurden wie widerwärtigen biologistischen, eugenischen und rassekundlichen Ausführungen des Herrn Sarrazin werde ich hier weder zitieren, noch kommentieren ("so tief kann man nicht schießen", Kurt Tucholsky).

Sarrazin macht aber auch Ausführungen über ökonomische und fiskalische Sachverhalte, und mit diesen möchte ich mich im folgenden auseinandersetzen.
"Belastbare empirisch-statistische Analysen, ob die Gastarbeiter und deren Familien für Deutschland überhaupt einen Beitrag zum Wohlstand erbracht haben oder erbringen werden, gibt es nicht. Für Italiener, Spanier und Portugiesen wird man diese Frage wohl bejahen können, weil ihr Familiennachzug geringer war und die meisten wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Für Türken und Marokkaner wird man sie sicher verneinen können. Zu groß ist das Missverhältnis zwischen der Zahl der ursprünglichen Gastarbeiter und dem dadurch ausgelösten Nachzug großer Familienverbände." (zitiert nach dem Vorabdruck des Sarrazin-Buches, SPIEGEL Nr. 38, S. 137)
So lieben wir unseren promovierten Volkswirtschaftler: Er hat keine belastbaren Zahlen, kann aber ganz zuverlässige Kalkulationen vornehmen.Worüber Sarrazin hier tatsächlich Auskunft gibt, ist die Stärke seiner Vorurteile gegen die jeweiligen Einwanderergruppen.
"Wenn Sie als Staat, als also politischer Körper, als Bundesregierung überlegen, wie gestalten wir Deutschlands Zukunft, dann müssen Sie auch darüber reden, welche Einwanderungsgruppen ökonomischen Nutzen bringen und welche Einwanderungsgruppen ökonomische Belastungen bringen. Und für die Gesamtheit der muslimischen Einwanderung in Deutschland gilt die statistische Wahrheit: In der Summe haben sie uns da sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht haben. Das ist einfach ein nüchterner Saldo, was den einzelnen Menschen nicht auf seinen wirtschaftlichen Wert reduziert." (Thilo Sarrazin am 24.08.10 im DeutschlandRadio Kultur)
Diese Äußerung ist nur auf den ersten Blick klar und eindeutig. Sarrazin kündigt an, als Buchhalter der Nation den ökonomischen Nutzen bestimmter Einwanderungsgruppen den durch ihre Einwanderung entstandenen ökonomischen Kosten gegenüberzustellen. Dann aber wechselt er mitten im Zitat die Ebene und stellt  dem ökonomischen Nutzen der Einwanderung die sozialen und fiskalischen Kosten gegenüber. Das sind so verschiedene Dinge, dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, der Mann wisse gar nicht, wovon er rede.

Dasselbe Malheur passiert dem promovierten Volkswirtschaftler auch in seinem Buch, in dem es heißt:
"Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die finanziellen und sozialen Kosten der muslimischen Einwanderung weitaus höher waren als der daraus fließende wirtschaftliche Ertrag. Wenn wir den Zuzug nicht steuern, lassen wir letztlich eine Veränderung unserer Kultur, unserer Zivilisation und unseres Volkscharakters zu, die wir gar nicht wünschen. Es würde nur wenige Generationen dauern, bis wir zur Minderheit im eigenen Land geworden sind." (zitiert nach dem Vorabdruck im SPIEGEL, Nr. 34, S. 140)
Was die letzten Jahrzehnte gewiss nicht gezeigt haben ist, dass die die sozialen und finanziellen Kosten der 'muslimischen Einwanderung' höher gewesen wären als der daraus fließende wirtschaftliche Ertrag. Es handelt sich hier nämlich gar nicht um eine Kosten-Nutzen-Rechnung, und zwar aus dem schlichten Grund, dass 'soziale Kosten' eine Metapher ist. Dass die fiskalischen Kosten 'muslimischer Einwanderung' höher sind als der von Muslimen erbrachte wirtschaftliche Ertrag, ist eine so offenkundig falsche Behauptung, dass auch Sarrazin sie nicht aufzustellen wagt; also schmuggelt er 'soziale Kosten' ein, um seinen Ressentiments eine schein-ökonomische Begründung zu geben.

Muslime in Deutschland bauen Autos, backen Brot, verkaufen Obst, buchen Reisen und heilen Menschen. Ihre Arbeit bringt wirtschaftlichen Nutzen nicht nur für sie, nicht nur für nicht-muslimische Deutsche, sondern für Menschen in aller Welt. Das weiß auch Herr Sarrazin, aber er hält die psychischen Kosten, die ihm entstehen, wenn er in einer deutschen Großstadt eine Moschee erblickt, für groß genug, um uns zuzumuten, auf diesen wirtschaftlichen Nutzen und auf unsere Zukunft in Zeiten der Globalisierung zu verzichten.

Sein Narzissmus ist maßlos.

We and They (Rudyard Kipling)

Rudyard Kipling (1865 - 1936)

Father, Mother, and Me
Sister and Auntie say
All the people like us are We,
And every one else is They.
And They live over the sea,
While We live over the way,
But - would you believe it? - They look upon We
As only a sort of They !

We eat pork and beef
With cow-horn-handled knives.
They who gobble Their rice off a leaf,
Are horrified out of Their lives;
And They who live up a tree,
And feast on grubs and clay,
(Isn't it scandalous?) look upon We
As a simply disgusting They!

We shoot birds with a gun.
They stick lions with spears.
Their full-dress is un-.
We dress up to Our ears.
They like Their friends for tea.
We like Our friends to stay;
And, after all that, They look upon We
As an utterly ignorant They!

We eat kitcheny food.
We have doors that latch.
They drink milk or blood,
Under an open thatch.
We have Doctors to fee.
They have Wizards to pay.
And (impudent heathen!) They look upon We
As a quite impossible They!

All good people agree,
And all good people say,
All nice people, like Us, are We
And every one else is They:
But if you cross over the sea,
Instead of over the way,
You may end by (think of it!) looking on We
As only a sort of They !

Kardinal Newman über Vorurteile

Noch Ende des 18. Jahrhunderts kam es in England zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen
Katholiken, etwa im Zuge der von einem fanatischen Protestanten angefachten Gordon Riots 1780

Antikatholische Vorurteile waren bis weit ins 19. Jahrhundert hinein tief im englischen Volk verwurzelt. Erst 1829 wurde es Katholiken mit dem Catholic Relief Act ermöglicht, für das britische Parlament zu kandidieren; bis heute kann kein Katholik englischer König werden. Noch 1845 löste die Konversion des prominenten Anglikaners John Henry Newman wütende Angriffe protestantischer Publizisten aus. Newman antwortete mit einer Reihe von Vorträgen, in denen er sich auch mit der Frage beschäftigte, wie Vorurteile wirken und wie sie zu bekämpfen sind.

"Suppose I have been told that my neighbour is a thief; suppose the idea has rested on my mind, and I have accustomed myself to it; and suppose I hear what it was that made my informant assert it, and examine into this, and find it to be utterly untrue; why I may indeed cast off my feeling against my neighbour at once and altogether, but I may have a great difficulty in doing so. The idea may still cling to me, and I may find it impossible, except by degrees, to overcome the associations with which he is connected in my mind, and the repugnance I feel to him; there is something I have to struggle against.

And thus, even though a slander be perfectly cleared up, even though it be brought into a court of justice, and formally disconnected from the person who has been the victim of it, he is not what he was. It was a saying of the greatest of the Romans, "that Cæsar's wife should not be suspected." The slander has, as it were, stained the minds of the hearers, and only time, if even time, can wipe it out.

This, then, is properly a prejudice,— not an opinion which is at our own disposal, and dependent for its presence or its dismissal on our will, but an impression, which reason indeed can act upon, and the will can subdue, but only by degrees and with trouble. It sank into the mind by the repetition of untrue representations, it must be effaced by an opposite process, by a succession of thoughts and deeds antagonistic to it.

We must make it up to the injured party by acts of kindness, by friendly services, by good words, by praising him, by the desire and attempt to please and honour him, and thus gradually we shall lose all recollection of our former hard thoughts of him.

On the other hand, it is quite possible to shut ourselves up in ourselves; to keep at a distance from him, and to cherish coldness or ill-will; and then, in spite of the calumnies having been triumphantly refuted, and of our nominal acquiescence, we shall be as suspicious or jealous as ever. We shall say that we are not, after all, satisfied; that we cannot, indeed, give our grounds, but that things have a suspicious appearance; and we shall look about diligently for some fresh ground of accusation against him, to justify us in such thoughts and such conduct." (John Henry Newman, Lectures on the Present Position of Catholics in England, 1851)

Thomas von Kempen für Moralisten

Thomas von Kempen (um 1380 - 1471)

"Si non potes te talem facere qualem vis, quomodo poteris alium habere ad beneplacitum tuum?" (Thomas von Kempen, De imitatione Christi, 1.16)

sinngemäße Übersetzung: Wenn du es nicht einmal mit dir selbst soweit bringst, dass du wärest, wie du zu sein wünschest, wie kannst du verlangen, dass andere sich nach deinem Wunsch fügen?

26. August 2010

Häuptling 'Spitze Zunge'

 William Somerset Maugham (1874 - 1965)

Wer den Namen 'Somerset Maugham' hört, denkt sofort an die britische Kolonialherrschaft im Fernen Osten und sieht vor seinem inneren Auge britische Kolonialoffiziere, Pflanzer und 'globetrotters' vor sich, die bei Whiskey und Soda in ihrem Club zynische Anekdoten über Frauen und Eingeborene zum Besten geben - eine  unwiderruflich vergangene Welt, deren Untergang nur von wenigen bedauert wird. Somerset Maughams Werk allerdings hat diesen Untergang überlebt, und vor allem Maughams Erzählungen und Kurzgeschichten finden immer noch viele Leser.

Maugham selbst hat einmal über sich gesagt, er stünde „in the very first row of second class writers“, und das trifft es sehr genau. Lohnt es sich denn, einen zweitklassigen Autoren zu lesen? Aber ja doch, es ist ja wirklich keine Schande, zweitklassig zu sein, wenn Werke wie "Pride and Prejudice" und "Middlemarch" die erste Klasse bilden. Und "Cakes and Ale or The Skeleton in the Cupboard", der kleine Roman, der hier heute vorgestellt wird, ist wirklich "in the very first row of the second class books".

Der vor achtzig Jahren erschienene Roman, eine amüsante und lebendige Satire, ist ein Schlüsselroman, in dem die Autoren Thomas Hardy und Hugh Walpole eine prominente Rolle spielen. Mit seinen unverblümten spottischen Anspielungen auf diese Löwen des literarischen Establishments hat sich Somerset Maugham seinerzeit nicht nur Freunde gemacht - seine spitze Zunge garantiert aber allen Liebhabern eleganter Boshaftigkeiten ein hochklassiges Lesevergnügen.

Zu Beginn des Romans wird William Ashenden, der Erzähler der Geschichte und Maughams literarisches alter ego, von Alroy Kear aufgesucht, einem literarischen Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der gerade den Auftrag erhalten hat, die Biographie des jüngst verstorbenen viktorianischen Romanciers Edward Driffield zu schreiben. Da Kear weiß, dass Ashenden mit Driffield seit langen Jahren befreundet war, hofft er, von diesem wertvolle Informationen über das Leben des Verstorbenen zu erhalten. Ashenden aber weiß Dinge, die die Witwe des Schriftstellers um gar keinen Preis veröffentlicht sehen will. Diese war nämlich nicht die einzige Frau in Driffields Leben.

"Cakes and Ale" ist nicht nur eine Fundgrube cleverer Apercus ("It's very hard to be a gentleman and a writer"), sondern auch und vor allem eine dramatische Liebesgeschichte. Maugham führt den Leser in eine von Klassenvorurteilen und Doppelmoral beherrschte Welt und lässt seine Leser die Bekanntschaft einer Frau machen, die ihren Platz in dieser Welt nicht kennt und deren Vitalität, Aufrichtigkeit und Charme jeden in ihren Bann zieht, der ihr begegnet.

Mag "Cakes and Ale" auch keine große Literatur sein: große kleine Literatur ist dieser Roman gewiss.

Die deutsche Übersetzung ist bei Diogenes unter dem Titel "Rosie und die Künstler" erschienen. Der englische Titel zitiert übrigens eine Bemerkung aus Shakespeares 'Twelfth Night': "Dost thou think, because thou art virtuous, there shall be no more cakes and ale?"

25. August 2010

Knoten

 Matrosen lernen Knoten knüpfen, Naval Training Station Rhode Island 1917

"Consider knots. The life of every sailor, the catch of every fisherman, and a thousand other things of varying importance, depend on knowing that a knot you have tied will not come untied until you set to untie it, and will quickly come untied when you do.

There are forty or fifty knots; less than twenty are in regular use. 

None has been invented at any known time, in any known place, by any known person. All are of immemorial antiquity.

For some thousand years at least, therefore, the tradition of tying a quite small number of simple and reliable knots has been conserved; no new inventions have been added to it, because the purposes for which knots are needed are few and adequately provided for. 

There is nothing to be gained by inventing a new knot; there is almost incredibly much to be lost by failure the conserve the tradition of knot-tying that we have." (R.G. Cunningham, The New Leviathan, 1942)

24. August 2010

William St. Jevons über gewerkschaftliche Lohnkämpfe

W.St. Jevons (1835 - 1882)

Viele unserer zeitgenössischen wirtschaftspolitischen Diskussionen sind keineswegs neu, sondern fanden bereits im 19. Jahrhunder statt. In dem nachfolgenden Text untersucht William St. Jevons, einer der Begründer der Grenznutzentheorie, die Rolle der Gewerkschaften im wirtschaftlichen Gefüge. Aus meiner Sicht von besonderem Interesse ist Jevons' These, dass der gewerkschaftliche Kampf sich nicht wirklich gegen das Kapital richte, sondern gegen schlechter organisierte oder aus anderen Gründen durchsetzungs- schwächere Schichten der Bevölkerung.
"1. The supposed struggle with capitalists in which many Unions engage, for the purpose of raising wages, is not really a struggle of labour against capital, but of labour against labour—that is, of certain classes or sections of labourers against other classes or sections. 2. It is a struggle in which only a few peculiarly situated trades can succeed in benefiting themselves. 3. Unions which succeed in maintaining a high rate of wages only succeed by protection—that is, by levying contributions from other classes of labourers and from the population in general. 4. Unionism as at present conducted tends therefore to aggravate the differences of wages between the several classes of operatives; it is an effort of some sections to raise themselves at the expense of others.

I feel sure you will not at first believe my statement that the struggle of the Unions is not with capitalists but with their fellow-workmen. Probably you imagine that when certain workmen in a factory combine and get higher wages than before, the increase comes out of the excessive profits of the employer. But this is not the case. His loss, if any, will be very temporary, and he will indemnify himself by raising the price of his goods. It is the purchasers and consumers who will pay, and these comprehend the whole of the population. (...) Perhaps you will reply that combination is equally open and lawful for all. Let all trades combine, and then they will all be benefited, and the increased wages must come out of the pockets of the capitalists. Nothing however could be more unfounded.

I apprehend that the notion which lies at the bottom of Unionism is this: That a man is bound to think, not only of himself, but of his fellow-workmen. The principles of Unionism condemn a man who accepts work at a less rate than the current wages, because he may be leading the way to a reduction of wages affecting hundreds or thousands of fellow-workmen. There can be no doubt that in one point of view this principle of looking to the advantage of the many rather than the one, is noble and disinterested; and I do not doubt that if the history of strikes and trade disputes were fully written, it would disclose as many instances of fidelity and heroism and the fearless encounter of hardship and even death as many a war described in history.

But the Unionist overlooks the fact that the cause to which he is so faithful, is only the cause of a small exclusive class; his triumph is the injury of a vastly greater number of his fellow-workmen, and regarded in this point of view, his cause is a narrow and selfish one, rather than a broad and disinterested one. The more I admire the perseverance, the self-forgetfulness, the endurance, abstinence, and a hundred other good qualities which English workmen often display during the conduct of a great trade dispute, the more sincerely do I regret that so many good qualities should be thrown away, or rather misused, in a cause which is too often a hurtful one to their fellow-men." (William Stanley Jevons, Methods of Social Reform, 1883)

James Mill: Der Staat als steuermaximierender Leviathan

 Ungeheuer Leviathan, Behemoth und Ziz Bibelillustration, Ulm, 1238

James Mill (1773 - 1836), der Vater des Philosophen und Ökonomen John Stuart Mill, war selbst ein bedeutender politischer Philosoph, Historiker und Ökonom. Offenbar hatte er auch die Gabe besonderer Weitsicht, denn bereits vor mehr als zweihundert Jahren warnte er in dem Essay "Commerce Defended" (1808) vor dem Staat als steuermaximierendem Leviathan.
"One of the most powerful restraints upon the prodigal inclinations of governments, is the condemnation with which expence, at least beyond the received ideas of propriety, is sure to be viewed by the people. But should this restraint be taken off, should the disposition of government to spend become heated by an opinion that it is right to spend, and should this be still farther inflamed by the assurance that it will by the people also be deemed right in their government to expend, no bounds would then be set to the consumption of the annual produce. Such a delusion could not certainly last long: but even its partial operation, and that but for a short time, might be productive of the most baneful consequences." (Mill, Commerce Defended, 1808)

23. August 2010

Adam's Curse (W.B. Yeats)

 Augustus John, W.B. Yeats (1907)

We sat together at one summer's end,
That beautiful mild woman, your close friend,
And you and I, and talked of poetry.
I said, "A line will take us hours maybe;
Yet if it does not seem a moment's thought,
Our stitching and unstitching has been naught.
Better go down upon your marrow-bones
And scrub a kitchen pavement, or break stones
Like an old pauper, in all kinds of weather;
For to articulate sweet sounds together
Is to work harder than all these, and yet
Be thought an idler by the noisy set
Of bankers, schoolmasters, and clergymen
The martyrs call the world."

And thereupon
That beautiful mild woman for whose sake
There's many a one shall find out all heartache
On finding that her voice is sweet and low
Replied, "To be born woman is to know--
Although they do not talk of it at school--
That we must labour to be beautiful."

I said, "It's certain there is no fine thing
Since Adam's fall but needs much labouring.
There have been lovers who thought love should be
So much compounded of high courtesy
That they would sigh and quote with learned looks
Precedents out of beautiful old books;
Yet now it seems an idle trade enough."

We sat grown quiet at the name of love;
We saw the last embers of daylight die,
And in the trembling blue-green of the sky
A moon, worn as if it had been a shell
Washed by time's waters as they rose and fell
About the stars and broke in days and years.

I had a thought for no one's but your ears:
That you were beautiful, and that I strove
To love you in the old high way of love;
That it had all seemed happy, and yet we'd grown
As weary-hearted as that hollow moon.

22. August 2010

Vor der Tür

Porte Hugues Sambin

"One would think it impossible, that creatures endued with reason could avoid reflecting sometimes upon all this; reflecting, if not from whence we came, yet, at least, whither we are going; and what the mysterious scheme, in the midst of which we find ourselves, will, at length, come out and produce: a scheme in which it is certain we are highly interested, and in which we may be interested even beyond conception." (Joseph Butler, The Analogy of Religion, 1736)

21. August 2010

Die Frühgeschichte der Internationalen Gesellschaft für die Verbreitung kultureller Objekte (ISDCO)

Tizians "Venus" (ca. 1538) ist eines der Kunstobjekte, 
um deren Neuverteilung sich die ISDCO bemüht

Richard Meredith, ein Latinist mittleren Alters, wandert gedankenverloren in einen Londoner Tabakladen und murmelt, darauf wartend bedient zu werden, ein paar Zeilen aus einem Gedicht Samuel Johnsons. Der Ladenbesitzer verhört sich, meint ein geheimes Signalwort zu vernehmen und öffnet eine Falltür, die geradewegs in einen dunklen Kellerraum führt, in dem Dutzende Kunstwerke gelagert sind, darunter eine 'Venus' Tizians und ein 'Aquarium' Vermeers, beides Werke, die der Gelehrte als Eigentum des Herzogs von Horton identifiziert. Wie sind diese kostbaren Kunstwerke bloß in den schäbigen Keller gelangt? Verantwortlich dafür ist die "International Society for the Diffusion of Cultural Objects", eine Bande von Kunstdieben und -schmugglern, deren Auftraggeber Meredith nun bis nach Schottland und Amerika verfolgt.

"From London Far" (1946), der vierte Roman von Michael Innes, den ich in der "Lieblingsmorde"-Rubrik vorstelle, ist, unwahrscheinlich genug, ein komischer Thriller, in dem der Autor kunstvoll mit allen Klischees des Genres spielt: da begegnet einem eine (natürlich bildhübsche) Unschuld in höchster Gefahr, da gibt es finstere Seelenklempner und megalomanische Multi- millionäre, zwei Morde, folgenreiche Verwechslungen und wilde Verfolgungs- jagden durch schottische Hochmoore - Thrillerfreund, was willst du mehr? Was aber  in den Groschenromanen blutiger Ernst ist, wird in "From London Far" zu Groteske und Farce.

In Innes' Brust schlagen deutlich mehr als zwei Herzen: Der gelehrte Oxforder Don, der Monographien über Thomas Hardy und Henry James schrieb, war als Schotte auch ein Fan R.L. Stevensons und John Buchans; und ganz offenbar liebte Innes die intellektuellen Komödien T.L. Peacocks. Amüsante Dialoge, geistreiche Anspielungen, entspannte Beschreibungen - all dies findet man in "From London Far", dessen elegante und anspielungsgesättigte Prosa, in der andere über den Geschmack einer Madeleine meditieren würden, hier in den Dienst einer an Slapsticks reichen Thrillerhandlung gestellt wird - und ob man es glaubt oder nicht: es funktioniert.

Der Purist mag sich fragen, ob es so etwas wie einen 'komischen Thriller' geben darf, und der Literaturhistoriker murmelt vielleicht 'frühe Postmoderne'; den Krimileser aber, dem all dies herzlich egal sein kann, erwartet eines der größten denkbaren Lesevergnügen.

20. August 2010

Das Grundgesetz als Bibelersatz

Die Meldung ist schon ein bisschen älter, aber immer noch aktuell: In Mecklenburg-Vorpommern müssen Betreiber von Kindertagesstätten seit Anfang August nachweisen, dass sie und ihr Personal auf dem Boden der Verfassung stehen.

Anlass der Regelung, so heißt es, seien Bestrebungen von Rechtsextremisten (von denen es in Mecklenburg-Vorpommern offenbar nicht wenige gibt, sind sie doch sogar mit sechs Sitzen im Landtag vertreten) gewesen, Kita-Trägerschaften zu übernehmen. Die sozialdemokratische Sozialministerin des Landes erklärte gegenüber der Presse:
"Wer sich nicht zweifelsfrei zum Grundgesetz bekennt, der darf keine Kita übernehmen."
Die Regelung unterscheidet zwischen anerkannten und freien Trägern: Die anerkannten Träger (dazu zählen etwa die Mitglieder der Wohlfahrtsverbände) sind laut Erlass verpflichtet, eine Selbsterklärung abzugeben, wonach sie Sorge dafür tragen, dass ihre Erzieher/innen auf dem Boden der Verfassung stehen.

Bei den freien Trägern müssen außerdem die Erzieher/innen selbst persönliche Erklärungen abgegeben, in denen es unter anderem heißt:
„Ich bejahe die Grundsätze der freiheitlich demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und bin bereit, mich jederzeit durch mein gesamtes Verhalten zu der freiheitlich demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und für deren Erhaltung einzutreten.“
Und:
„Ich erkläre weiterhin, dass ich nicht Mitglied in einer Partei oder einer sonstigen Gruppierung mit einer der Verfassungsordnung widersprechenden Zielsetzung bin.“
Die Regelung geht weiter als der berüchtigte Extremistenerlass der 70er Jahre, der ausschließlich Mitarbeiter des öffentlichen Diensts betraf.

Kann man Einwände dagegen haben, dass der Staat Kinder vor rechtsextremistischer Agitation schützt? Ich denke, hier muss man unterscheiden:

Selbstverständlich kann und sollte der Staat verfassungsfeindliche Agitation in Kindertagesstätten unterbinden. Wer jedoch von seinen Bürgern Bekenntnisse zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung verlangt, (miss)versteht das Grundgesetz als Gründungsdokument einer Staatsreligion.
"Quis custodiet ipsos custodes?" (Juvenal, Satiren)
Wer schützt uns vor unseren Beschützern?

Publius Ovidius Naso für jedermann

Jason und Medea, römischer Sarkophag

Der römische Dichter Ovid legt seiner Medea in den "Metamorphosen" diese Worte in den Mund:
"Video meliora proboque, deteriora sequor." (Metamorphoses 7, 20) "Ich sehe das Bessere und heiße es gut, dem Schlechteren folge ich."

Evelyn Waugh über Krieg und Ehre

Evelyn Waugh (1903 - 1966)

"It seems to me there was a will to war, a death wish, everywhere. Even good men thought their private honour would be satisfied by war. They could assert their manhood by killing and being killed... I knew Italians - not very many perhaps - who felt this. Were there none in England?"

"God forgive me," said Guy. "I was one of them." (Sword of Honour, Unconditional Surrender, 1961)

Apropos Oberst Klein

 Karl Kraus 1908
"Ein Franktireur* ist ein Zivilist, der mit Absicht einen Bewaff- neten angreift. Ein Flieger ist ein Bewaffneter, der durch Zufall einen Zivilisten tötet." (Karl Kraus)
Die Zeitungen melden heute, dass nach der Bundesanwaltschaft nun auch die Bundeswehr die Ermittlungen gegen Oberst Klein eingestellt hat. Klein hatte vor knapp einen Jahr den Angriff auf zwei Tanklastwagen mit mindestens hundert Toten und Verletzten befohlen. Der Fall ist für den damaligen Befehlshaber der Bundeswehr in Kundus damit ohne rechtliche Konsequenzen abgeschlossen.

*Als 'Franktireurs' wurden im Deutsch-Französischen Krieg und dann später auch im Ersten Weltkrieg französische Freischärler bezeichnet. Bei der Verfolgung von Franktireurs wurden oft Unschuldige ermordet. Einer der schlimmsten Vorfälle dieser Art ereignete sich zu Anfang des Ersten Weltkrieges, als am 23. August 1914 674 Einwohner der belgischen Stadt Dinant von Truppen der deutschen Armee wegen angeblicher Freischärlerei getötet wurden.

19. August 2010

Ein Pariser Sommer um 1900

 Gustave Caillebotte, Jeune homme à la fenêtre (1875)

"The Ambassadors" (1903), eine formvollendete späte Sittenkomödie von Henry James (1843 - 1916) zeigt die Missverständnisse und Verkennungen, die unvermeidlich entstehen, wenn Alte Welt und Neue Welt, Jugend und Alter, gesetzte Bürgerlichkeit und leichtlebige Bohème aufeinandertreffen.

Lambert Strether, ein verwitweter Neuengländer mittleren Alters, ist von der wohlhabenden Fabrikantenwitwe Mrs. Newsome nach Europa entsandt worden, um ihren Sohn Chad, der im modernen Sündelbabel Paris ein offenbar anstößiges Leben führt, in die USA zurückzubringen, wo er die Fabrik des Vaters übernehmen und ein Mädchen aus gutem Hause heiraten soll. Als Strether den jungen Mann und seine Freunde dann aber trifft, entsprechen diese so gar nicht den schlimmen Erwartungen, im Gegenteil: Chad ist unter dem Einfluss seiner Freundin Madame de Vionnet zu einem umgänglichen und höflichen Weltstädter geworden, dessen Charme niemand widerstehen kann, auch Lambert Strether nicht, der nun an seiner Mission zu zweifeln beginnt.

"The Ambassadors" ist ein Sommerbuch voller Wärme und Licht. Der Leser wird Zeuge, wie der in Konventionen eingezwängte Strether seine Lebensangst langsam ablegt und um sich herum ein freieres Leben voller Schönheit entdeckt:
"It hung before him this morning, the vast bright Babylon, like some huge iridescent object, a jewel brilliant and hard, in which parts were not to be discriminated nor differences comfortably marked. It twinkled and trembled and melted together, and what seemed all surface one moment seemed all depth the next. It was a place of which, unmistakeably, Chad was fond; wherefore if he, Strether, should like it too much, what on earth, with such a bond, would become of either of them?"
"The Ambassadors" ist ein nahezu perfekter Roman: Die Charaktere sind voller Leben, die Dialoge geistreich, der Plot subtil und die Prosa exquisit. Wir sehen die Welt, die sich vor dem empfindsamen Strether zu öffnen beginnt, mit seinen wachen Augen, hören die geistreichen Gespräche mit seinen Ohren und sind doch nicht wie der naive Amerikaner ganz blind für das, was sich eigentlich zuträgt. Und so kommt, was kommen muss: nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern als überzeugendes und doch überraschendes Ende einer großen Komödie.

18. August 2010

Das Gespräch der Menschheit (Michael Oakeshott)

David Roberts, Egypt and Nubia (1848)

"It may be supposed that the diverse idioms of utterance which make up current human intercourse have some meeting-place and compose a manifold of some sort. And, as I understand it, the image of this meeting-place is not an inquiry or an argument, but a conversation.


In a conversation the participants are not engaged in an inquiry or a debate; there is no 'truth' to be discovered, no proposition to be proved, no conclusion sought. They are not concerned to inform, to persuade, or to refute one another, and therefore the cogency of their utterances does not depend upon their all speaking in the same idiom; they may differ without disagreeing. Of course, a conversation may have passages of argument and a speaker is not forbidden to be demonstrative; but reasoning is neither sovereign nor alone, and the conversation itself does not compose an argument. (...)  In conversation, 'facts' appear only to be resolved once more into the possibilities from which they were made; 'certainties' are shown to be combustible, not by being brought in contact with other 'certainties' or with doubts, but by being kindled by the presence of ideas of another order; approximations are revealed between notions normally remote from one another. Thoughts of different species take wing and play round one another, responding to each other's movements and provoking one another to fresh exertions. Nobody asks where they have come from or on what authority they are present; nobody cares what will become of them when they have played their part. There is no symposiarch or arbiter, not even a doorkeeper to examine credentials. Every entrant is taken at its face-value and everything is permitted which can get itself accepted into the flow of speculation. And voices which speak in conversation do not compose a hierarchy. Conversation is not an enterprise designed to yield an extrinsic profit, a contest where a winner gets a prize, not is it an activity of exegesis; it is an unrehearsed intellectual adventure. It is with conversation as with gambling, its significance lies neither in winning nor in losing, but in wagering. Properly speaking, it is impossible in the absence of a diversity of voices: in it different universes of discourse meet, acknowledge each other and enjoy an oblique relationship which neither requires nor forecasts their being assimilated to one another.

This, I believe, is the appropriate image of human intercourse, appropriate because it recognizes the qualities, the diversities, and the proper relationships of human utterances. As civilized human beings, we are the inheritors, neither of an inquiry about ourselves and the world, nor of an accumulating body of information, but of a conversation, begun in the primeval forests and extended and made more articulate in the course of centuries. It is a conversation which goes on both in public and within each of ourselves. Of course there is argument and inquiry and information, but wherever these are profitable they are to be recognized as passages in this conversation, and perhaps they are not the most captivating of the passages. It is the ability to participate in this conversation, and not the ability to reason cogently, to make discoveries about the world, or to contrive a better world, which distinguishes the human being from the animal and the civilized man from the barbarian. Indeed, it seems not improbable that it was the engagement in this conversation (where talk is without a conclusion) that gave us our present appearance, man being descended from a race of apes who sat in talk so long and so late that they wore out their tails. Education, properly speaking, is an initiation into the skill and partnership of this conversation in which we learn to recognize the voices, to distinguish the proper occasions of utterance, and in which we acquire the intellectual and moral habits appropriate to conversation. And it is this conversation whidh, in the end, gives place and character to every human activity and utterance." (The Voice of Poetry in the Conversation of Mankind, in: Rationalism in Politics, 1962)

17. August 2010

José Ortega y Gasset über den Liberalismus

José Ortega y Gasset (1883 - 1955)

"Der Liberalismus ist die äußerste Großmut. Er ist das Recht, das die Mehrheit den Minderheiten einräumt, und darum die edelste Losung, die auf dem Planeten erklungen ist. Er verkündet den Entschluß, mit dem Feind, mehr noch, mit dem schwachen Feind zusammenzuleben." (Aufstand der Massen, 1929)

Verteidigung des Wuchers

Jeremy Bentham (1748 - 1832)

Eine der radikalsten Schriften der englischen Aufklärung ist Jeremy Benthams "Defence of Usury" (1787), in der der utilitaristische Philosoph die britischen Gesetze gegen den Wucher angreift. Er beruft sich dabei auf das Recht von Erwachsenen, sich frei auf die Bedingungen eines Vertrages zu einigen, solange dieser Vertrag unbeteiligten Dritten nicht schadet. Radikal ist Benthams Argumentation darin, dass sie keine Sitten und Moralvorschriften respektiert, die sich nicht vor dem Tribunal der Vernunft rechtfertigen können.

Benthams Denkweise ist uns heute wohlvertraut, war um 1800 aber ein Skandalon. Die Lektüre der Streitschrift lohnt noch immer: Selten ist eine verpönte Praxis scharfsinniger und furchtloser verteidigt worden.
"Antecedently to custom growing from convention, there can be no such thing as usury: for what rate of interest is there that can naturally be more proper than another? what natural fixed price can there be for the use of money more than for the use of any other thing? Were it not then for custom, usury, considered in a moral view, would not then so much as admit of a definition: so far from having existence, it would not so much as be conceivable: nor therefore could the law, in the definition it took upon itself to give of such offence, have so much as a guide to steer by.

Custom therefore is the sole basis, which, either the moralist in his rules and precepts, or the legislator in his injunctions, can have to build upon. But what basis can be more weak or unwarrantable, as a ground for coercive measures, than custom resulting from free choice? My neighbours, being at liberty, have happened to concur among themselves in dealing at a certain rate of interest. I, who have money to lend, and Titius, who wants to borrow it of me, would be glad, the one of us to accept, the other to give, an interest somewhat higher than theirs: why is the liberty they exercise to be made a pretence for depriving me and Titius of ours." (Defence of Usury, 1787)

16. August 2010

Durchwachte Nacht (Annette von Droste-Hülshoff)

Charles Warren Eaton, September Moonrise (1900)

Wie sank die Sonne glüh und schwer,
Und aus versengter Welle dann
Wie wirbelte der Nebel Heer
Die sternenlose Nacht heran! -
Ich höre ferne Schritte gehn -
Die Uhr schlägt Zehn.

Noch ist nicht alles Leben eingenickt,
Der Schlafgemächer letzte Türen knarren;
Vorsichtig in der Rinne Bauch gedrückt,
Schlüpft noch der Iltis an des Giebels Sparren,
Die schlummertrunkne Färse murrend nickt,
Und fern im Stalle dröhnt des Rosses Scharren,
Sein müdes Schnauben, bis, vom Mohn getränkt,
Sich schlaff die regungslose Flanke senkt.

Betäubend gleitet Fliederhauch
Durch meines Fensters offnen Spalt,
Und an der Scheibe grauem Rauch
Der Zweige wimmelnd Neigen wallt.
Matt bin ich, matt wie die Natur! -
Elf schlägt die Uhr.

O wunderliches Schlummerwachen, bist
Der zartren Nerve Fluch du oder Segen? -
's ist eine Nacht, vom Taue wach geküßt,
Das Dunkel fühl' ich kühl wie feinen Regen
An meine Wangen gleiten, das Gerüst
Des Vorhangs scheint sich schaukelnd zu bewegen,
Und dort das Wappen an der Decke Gips
Schwimmt sachte mit dem Schlängeln des Polyps.

Wie mir das Blut im Hirne zuckt!
Am Söller geht Geknister um,
Im Pulte raschelt es und rückt,
Als drehe sich der Schlüssel um.
Und - horch! der Seiger hat gewacht!
's ist Mitternacht.

War das ein Geisterlaut? So schwach und leicht
Wie kaum berührten Glases schwirrend Klingen,
Und wieder wie verhaltnes Weinen steigt
Ein langer Klageton aus den Syringen,
Gedämpfter, süßer nun, wie tränenfeucht
Und selig kämpft verschämter Liebe Ringen; -
O Nachtigall, das ist kein wacher Sang,
Ist nur im Traum gelöster Seele Drang.

Da kollerts nieder vom Gestein!
Des Turmes morsche Trümmer fällt,
Das Käuzlein knackt und hustet drein;
Ein jäher Windesodem schwellt
Gezweig und Kronenschmuck des Hains; -
Die Uhr schlägt Eins.

Und drunten das Gewölke rollt und klimmt;
Gleich einer Lampe aus dem Hünenmale
Hervor des Mondes Silbergondel schwimmt,
Verzitternd auf der Gasse blauem Stahle;
An jedem Fliederblatt ein Fünkchen glimmt,
Und hell gezeichnet von dem blassen Strahle
Legt auf mein Lager sich des Fensters Bild,
Vom schwanken Laubgewimmel überhüllt.

Jetzt möcht' ich schlafen, schlafen gleich,
Entschlafen unterm Mondeshauch,
Umspielt vom flüsternden Gezweig,
Im Blute Funken, Funk' im Strauch
Und mir im Ohre Melodei; -
Die Uhr schlägt Zwei.

Und immer heller wird der süße Klang,
Das liebe Lachen; es beginnt zu ziehen
Gleich Bildern von Daguerre die Deck' entlang,
Die aufwärts steigen mit des Pfeiles Fliehen;
Mir ist, als seh ich lichter Locken Hang,
Gleich Feuerwürmern seh' ich Augen glühen,
Dann werden feucht sie, werden blau und lind,
Und mir zu Füßen sitzt ein schönes Kind.

Es sieht empor, so fromm gespannt,
Die Seele strömend aus dem Blick;
Nun hebt es gaukelnd seine Hand,
Nun zieht es lachend sie zurück;
Und - horch! des Hahnes erster Schrei! -
Die Uhr schlägt Drei.

Wie bin ich aufgeschreckt, - o süßes Bild,
Du bist dahin, zerflossen mit dem Dunkel!
Die unerfreulich graue Dämmrung quillt,
Verloschen ist des Flieders Taugefunkel,
Verrostet steht des Mondes Silberschild,
Im Walde gleitet ängstliches Gemunkel,
Und meine Schwalbe an des Frieses Saum
Zirpt leise, leise auf im schweren Traum.

Der Tauben Schwärme kreisen scheu,
Wie trunken in des Hofes Rund,
Und wieder gellt des Hahnes Schrei,
Auf seiner Streue rückt der Hund,
Und langsam knarrt des Stalles Tür -
Die Uhr schlägt Vier.

Da flammt's im Osten auf, - o Morgenglut!
Sie steigt, sie steigt, und mit dem ersten Strahle
Strömt Wald und Heide vor Gesangesflut,
Das Leben quillt aus schäumendem Pokale,
Es klirrt die Sense, flattert Falkenbrut,
Im nahen Forste schmettern Jagdsignale,
Und wie ein Gletscher sinkt der Träume Land
Zerrinnend in des Horizontes Brand.

Mariana (Alfred Lord Tennyson)

John Everett Millais, Mariana (1851)

With blackest moss the flower-plots
Were thickly crusted, one and all:
The rusted nails fell from the knots
That held the pear to the gable-wall.
The broken sheds look'd sad and strange:
Unlifted was the clinking latch;
Weeded and worn the ancient thatch
Upon the lonely moated grange.
She only said, "My life is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

Her tears fell with the dews at even;
Her tears fell ere the dews were dried;
She could not look on the sweet heaven,
Either at morn or eventide.
After the flitting of the bats,
When thickest dark did trance the sky,
She drew her casement-curtain by,
And glanced athwart the glooming flats.
She only said, "My life is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

Upon the middle of the night,
Waking she heard the night-fowl crow:
The cock sung out an hour ere light:
From the dark fen the oxen's low
Came to her: without hope of change,
In sleep she seem'd to walk forlorn,
Till cold winds woke the gray-eyed morn
About the lonely moated grange.
She only said, "The day is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

About a stone-cast from the wall
A sluice with blacken'd waters slept,
And o'er it many, round and small,
The cluster'd marish-mosses crept.
Hard by a poplar shook alway,
All silver-green with gnarled bark:
For leagues no other tree did mark
The level waste, the rounding gray.
She only said, "My life is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

And ever when the moon was low,
And the shrill winds were up and away
In the white curtain, to and fro,
She saw the gusty shadow sway.
But when the moon was very low,
And wild winds bound within their cell,
The shadow of the poplar fell
Upon her bed, across her brow.
She only said, "The night is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

All day within the dreamy house,
The doors upon their hinges creak'd;
The blue fly sung in the pane; the mouse
Behind the mouldering wainscot shriek'd,
Or from the crevice peer'd about.
Old faces glimmer'd thro' the doors,
Old footsteps trod the upper floors,
Old voices call'd her from without.
She only said, "My life is dreary,
He cometh not," she said;
She said, "I am aweary, aweary,
I would that I were dead!"

The sparrow's chirrup on the roof,
The slow clock ticking, and the sound
Which to the wooing wind aloof
The poplar made, did all confound
Her sense; but most she loath'd the hour
When the thick-moted sunbeam lay
Athwart the chambers, and the day
Was sloping toward his western bower.
Then, said she, "I am very dreary,
He will not come," she said;
She wept, "I am aweary, aweary,
O God, that I were dead!"

15. August 2010

Rosa Mystica (J.H. Newman)

Titian, Aufnahme Mariens in den Himmel (1516/1518)

"MARY is the most beautiful flower that ever was seen in the spiritual world. It is by the power of God's grace that from this barren and desolate earth there have ever sprung up at all flowers of holiness and glory. And Mary is the Queen of them. She is the Queen of spiritual flowers; and therefore she is called the Rose, for the rose is fitly called of all flowers the most beautiful.

But moreover, she is the Mystical, or hidden Rose; for mystical means hidden. How is she now "hidden" from us more than are other saints? What means this singular appellation, which we apply to her specially? The answer to this question introduces us to a third reason for believing in the reunion of her sacred body to her soul, and its assumption into heaven soon after her death, instead of its lingering in the grave until the General Resurrection at the last day.

It is this:—if her body was not taken into heaven, where is it? how comes it that it is hidden from us? why do we not hear of her tomb as being here or there? why are not pilgrimages made to it? why are not relics producible of her, as of the saints in general? Is it not even a natural instinct which makes us reverent towards the places where our dead are buried? We bury our great men honourably. St. Peter speaks of the sepulchre of David as known in his day, though he had died many hundred years before. When our Lord's body was taken down from the Cross, He was placed in an honourable tomb. Such too had been the honour already paid to St. John Baptist, his tomb being spoken of by St. Mark as generally known. Christians from the earliest times went from other countries to Jerusalem to see the holy places. And, when the time of persecution was over, they paid still more attention to the bodies of the Saints, as of St. Stephen, St. Mark, St. Barnabas, St. Peter, St. Paul, and other Apostles and Martyrs. These were transported to great cities, and portions of them sent to this place or that. Thus, from the first to this day it has been a great feature and characteristic of the Church to be most tender and reverent towards the bodies of the Saints.

Now, if there was anyone who more than all would be preciously taken care of, it would be our Lady. Why then do we hear nothing of the Blessed Virgin's body and its separate relics? Why is she thus the
hidden Rose? Is it conceivable that they who had been so reverent and careful of the bodies of the Saints and Martyrs should neglect her—her who was the Queen of Martyrs and the Queen of Saints, who was the very Mother of our Lord? It is impossible. Why then is she thus the hidden Rose? Plainly because that sacred body is in heaven, not on earth." (John Henry Newman, Meditations and Devotions)

Ich sehe dich in tausend Bildern (Novalis)

Peter Paul Rubens, Aufnahme Mariens in den Himmel (1626)

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mir ewig im Gemüte steht.

14. August 2010

"The Wrong Box" - R.L. Stevensons viktorianische Krimikomödie

 John Singer Sargent, Portrait of R.L. Stevenson (1887)

Robert Louis Stevenson (1850 -1894) war der vielseitigste Artist unter den großen viktorianischen Entertainern. Abenteuergeschichten, Seefahrtsromantik, Gruselgeschichten, historische Romane - was immer er anfasste, wurde unter seinen Händen zum Kunstwerk.

In dem gemeinsam mit seinem Stiefsohn Lloyd Osbourne (1868 - 1947) verfassten Roman "The Wrong Box" (1889) nahm er sich dem neu entstandenen Genre des Kriminalromans an, dass die beiden nicht recht ernst nehmen konnten, zu absurd erschien ihnen der ungleiche 'battle of wits' zwischen den von den Autoren oft mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteten Spürhunden und den hoffnungslos benachteiligten Lesern

Und so ist "The Wrong Box" auch kein Kriminalroman geworden, sondern eine hinreißende Krimikomödie, von der der Humorist P.G. Wodehouse viel gelernt zu haben scheint.

Ausgangspunkt des Romans ist der Wettstreit zweier Cousins um eine Tontine. Ihre Onkel haben sich nämlich vor langer Zeit auf diese höchst spekulative frühe Form der Rentenversicherung eingelassen, in der eine Gruppe von Menschen einen gemeinsamen Fond gründen, dessen Gesamterlös schließlich an den letzten Überlebenden ausgezahlt wird.

Wie das Schicksal bzw. die Romanautoren so wollten, sind die beiden Brüder nun die letzten Überlebenden. Der 73jährige Masterman Finsbury lebt nach einem arbeits- und sparsamen Leben unter dem Dach seines Sohnes Michael; sein Bruder Joseph, ein exzentrischer Bankrotteur und Privatgelehrter, hat sein Eigentum an der Tontine an seine Neffen Morris und John abgetreten, deren Erbteil er als Vormund verschleudert hat. Und Morris Finsbury ist es, der jetzt alles daran setzt, in den Besitz der Tontine zu gelangen und den Onkel deshalb der rigidesten Disziplin unterwirft, um ihn ja am Leben zu halten.

Der findige Onkel Joseph findet das strenge Regiment seines eigennützigen Neffen unerträglich und nutzt das Chaos nach einem Eisenbahnunglück zur Flucht. Die Verwirrung ist komplett, als Morris und John, die das Bahnunglück ebenfalls überlebt haben, über die vermeintliche Leiche ihres Onkels stolpern und jetzt jede nur erdenkliche Anstrengung unternehmen, dessen Tod vor ihrem Cousin Michael geheimzuhalten.

"The Wrong Box" ist eine köstliche Krimifarce voll skurriler Charaktere, absurder Verwechslungen und wunderbar schwachsinniger Verschwörungen. 

Ganz große Unterhaltung!

13. August 2010

"Leistung muss sich wieder lohnen"

Momentan wird ausgiebig über eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze diskutiert: Im Gespräch ist dabei eine Erhöhung des Regelsatzes für Alleinstehende auf über 400 Euro; in einer Stellungnahme des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von Mai dieses Jahres war von 420 Euro die Rede.

Wer sich politisch für die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze stark macht, wird die Frage beantworten müssen, ob sein Ziel ist, Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen oder ihnen eine dauerhafte gerade noch auskömmliche Versorgung zu sichern:

Neulich traf ich einen jungen Mann, der kürzlich Vater geworden ist. S. und seine Frau sind beide - obwohl sie als Schweißer und Verkäuferin nicht zu den Unqualifizierten zählen - seit längerem arbeitslos und beziehen Arbeitslosengeld II. Ich wies S. auf eine Stellenanzeige hin, derzufolge eine Zeitarbeitsfirma dringend Schweißer suche. Er schüttelte den Kopf und antwortete, seine Frau und er hätten das durchgerechnet; es lohne sich für ihn erst wieder zu arbeiten, wenn auch seine Frau wieder einer Beschäftigung nachgehen könne.

S. war immer gut in Mathe, wie sich auch diesmal zeigte, als ich die Kalkulation des jungen Paares nachrechnete:

Die Zeitarbeitsfirma bot ein Bruttoverdienst von 1600 Euro; nach Abzug der Sozialabgaben (Lohnsteuer zahlt man als Alleinverdiener bei diesem Einkommen nicht) verbleiben davon etwa 1275 Euro. Die Familie hat Anspruch auf 184 Euro Kindergeld und 140 Euro Kinderzuschlag. Ferner besteht ein Wohngeldanspruch von etwa 120 Euro. Das ergibt ein Nettoeinkommen von etwa 1720 Euro.

Zurzeit erhält die Familie von der örtlichen ARGE 1380 Euro. S. errechnet sich so einen Stundenlohn von etwa zweieinhalb Euro in der Stunde. Vor die Wahl gestellt, für diesen Stundenlohn zu arbeiten oder sich seiner Familie, seinen Freunden und seinen Hobbies zu widmen, entscheidet sich der junge Vater für die Freizeit bei geringerem Einkommen - und wer will es ihm verdenken?

Wir verdenken es ihm und schimpfen ihn einen Faulenzer und Schmarotzer. Tatsächlich verhält sich S. aber nicht anders als wir es täten, wenn wir in seiner (oder einer ähnlichen) Lage wären. Jeder träumt doch von einem Lottogewinn, der ihm eine monatliche Rente von 1380 Euro beschert. Und, Hand auf's Herz, wer würde - wenn die Kosten für Miete und Lebensunterhalt gedeckt sind - dann noch Tag für Tag für zweieinhalb Euro in der Stunde arbeiten wollen? Fünf Euro oder zehn sollten es da doch wohl mindestens sein.

Um allerdings auf einen (zusätzlichen) Stundenlohn von fünf Euro zu kommen, müsste der junge Mann deutlich mehr verdienen, als ihm derzeit auf dem Markt geboten wird, nämlich brutto um die 18 Euro in der Stunde. Angesichts dieser Situation eine Erhöhung der ALG-II-Sätze zu fordern heißt, den Anreiz zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit weiter zu senken.

Fast könnte man den Verdacht hegen, dass bei einigen Politikern und Verbänden folgendes Kalkül zugrunde liegt: Würden alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen tatsächlich auf den Markt strömen, hätte dies zunächst ein Sinken des Lohnniveaus zur Folge. Es ist deshalb im Interesse der derzeit Beschäftigten, Arbeitslose davon abzuhalten, sich um Arbeit zu bemühen. Dass es dieses Kalkül etwa bei Gewerkschaften und linken Parteien gibt, halte ich für nicht unwahrscheinlich*.

Wer aber ein ernsthaftes Interesse am Wohlergehen der Langzeitarbeitslosen und ihrer Familien hat, sollte sich fragen, ob eine Erhöhung des ALG-II-Niveaus den Betroffenen tatsächlich nützt.

(*Nur am Rande: Ein Sinken des Lohnniveaus ist ohnehin zu erwarten: Ab Januar kommenden Jahres strömen osteuropäische Arbeitssuchende auf den deutschen Markt, die keine Ansprüche auf Hartz IV haben und die sich kaum davon abhalten lassen werden, zu den am Markt gebotenen Löhnen zu arbeiten. Sollen wir die Grenzen also wieder schließen? Oder sind wir in der Lage, per Gesetz die Löhne in Polen und Tschechien auf deutsches Niveau zu heben?)

Nachtrag: Amtsvormund trägt nur geringe Schuld an Kevins Tod

"Sei den Waisen wie ein Vater und den Witwen wie ein Gatte!" (Jesus Sirach 4,10)
Vor zweieinhalb Monaten habe ich hier über das Verfahren gegen einen Bremer Amtsvormund gesprochen, der sich vor Gericht wegern des Vorwurfs der 'fahrlässigen Tötung' eines Kleinkindes verantworten muss. Der kleine Kevin war im Oktober 2006 mit zahlreichen Knochenbrüchen tot im Kühlschrank der elterlichen Wohnung in Bremen-Gröpelingen gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Jugendamtsmitarbeiter in der Anklageschrift vor, er habe trotz zahlreicher Hinweise auf Misshandlungen versäumt, sein zweijähriges Amtsmündel rechtzeitig aus dem Haushalt des drogenabhängigen und gewalttätigen Ziehvaters zu nehmen.

Der Weser-Kurier berichtet nun in seiner Printausgabe vom 12.08., das Gericht habe dem Angeklagten die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße von 5.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Amtsvormund, der seinerzeit 230 Fälle bearbeitete, konnte sich nach Einschätzung von Sachverständigen wegen seiner Arbeitsbelastung kein eigenes Bild von der Situation des Kindes verschaffen, sondern musste sich auf die (falsche) Einschätzung des zuständigen Sozialarbeiters verlassen. Den Amtsvormund treffe deshalb nur geringe Schuld am gewaltsamen Tod seines Mündels.

Der Kollege des Vormunds, der diesen offenbar falsch und unzureichend informiert hatte, war ursprünglich mitangeklagt; das Verfahren gegen ihn musste aber wegen ärztlich festgestellter Verhandlungsunfähigkeit eingestellt werden. Der mehrfach vorbestrafte Ziehvater, der das Kleinkind totgeschlagen hat, ist im Juni 2008 wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Den angeklagten Amtsvormund mag wegen seiner Arbeitsbelastung nur geringe Schuld am Tode des kleinen Kevin treffen. Das macht es aber umso wichtiger, dafür Sorge zu tragen, dass sich solche Fälle in Zukunft nicht wiederholen.

Das Bundesjustizministerium hat - auch als Konsequenz aus dem Fall Kevin - Anfang des Jahres einen Gesetzentwurf zur Reform des Vormundschaftsrechts vorgelegt: Der Vormund wird verpflichtet, seine Mündel regelmäßig treffen, und zwar möglichst jeden Monat. Mindestens ein Mal im Jahr soll er dem Familiengericht über den Umfang des persönlichen Kontakts berichten; das Gericht soll die Erfüllung der Kontaktpflicht überwachen. Damit gerade Amtsvormünder genug Zeit für den persönlichen Kontakt haben, sollen sie sich maximal um 50 Kinder kümmern.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Vorschlag tatsächlich Gesetz wird und nicht wegen der zu erwartenden Mehrkosten in Millionenhöhe wieder verwässert wird. Gerade elternlose Kinder sind auf den Schutz unserer Institutionen angewiesen. Sie brauchen einen Vormund, der ausreichend Zeit hat, sich um ihre Belange zu kümmern. Bereits nach jetziger Rechtslage ist die Einrichtung einer Amtsvormundschaft übrigens nur dann vorgesehen, wenn sich niemand findet, der zur ehrenamtlichen Führung der Vormundschaft bereit und in der Lage ist.

Leider finden sich noch immer zuwenig Menschen, die zu einem solchen ehrenamtlichen Engagement bereit sind.


John Drydens Bekenntnis

Sir Godfrey Kneller: Portrait John Drydens (1698)

"My thoughtless youth was wing'd with vain desires,
My manhood, long misled by wand'ring fires,
Follow'd false lights; and when their glimpse was gone,
My pride struck out new sparkles of her own.
Such was I, such by nature still I am,
Be Thine the glory, and be mine the shame."
(aus: The Hind and the Panther, 1687)

John Dryden, neben Alexander Pope der bedeutendste englische Klassizist, konvertierte 1685 zum Katholizismus.