23. Oktober 2013

Erinnerung an einen Reisenden (und Flüchtling)

"Kann der Mensch zwei Heimaten haben, oder, wie ich, sogar drei? Es scheint, er kann es. Ich bin in dreien glücklich gewesen und unglücklich. Vielleicht ist es unser aller Ziel, nur eine Heimat zu haben, eine gemeinsame: unsere liebe, geduldige Erde, die Palmen und Tannen treibt und vielerlei Kristallbildungen zuläßt."
An den böhmischen Reiseschriftsteller und Essayisten Richard Katz (1888- 1968) erinnert Le Penseur in einem schönen Beitrag.

4. Oktober 2013

The Wild Swans at Coole (William Butler Yeats)

Foto: fturmog

The trees are in their autumn beauty,
The woodland paths are dry,
Under the October twilight the water
Mirrors a still sky;
Upon the brimming water among the stones
Are nine-and-fifty swans.

The nineteenth autumn has come upon me
Since I first made my count;
I saw, before I had well finished,
All suddenly mount
And scatter wheeling in great broken rings
Upon their clamorous wings.

I have looked upon those brilliant creatures,
And now my heart is sore.
All's changed since I, hearing at twilight,
The first time on this shore,
The bell-beat of their wings above my head,
Trod with a lighter tread.

Unwearied still, lover by lover,
They paddle in the cold
Companionable streams or climb the air;
Their hearts have not grown old;
Passion or conquest, wander where they will,
Attend upon them still.

But now they drift on the still water,
Mysterious, beautiful;
Among what rushes will they build,
By what lake's edge or pool
Delight men's eyes when I awake some day
To find they have flown away?

27. September 2013

Freiheit (George Orwell)

George Orwell (1903 - 1950)

"If liberty means anything at all it means the right to tell people what they do not want to hear."
(unveröffentlichtes Vorwort zu Animal Farm, 1945, zuerst veröffentlicht in The Times Literary Supplement, September 15, 1972)

26. September 2013

Die Mutter der Nation


"Merkels Muttisierung der Politik ist die Steigerungsform der unter Helmut Kohl begonnenen Entpolitisierung.

In den Umrissen des 'Pfälzer Riesen' erkannte der frühere Merkur-Herausgeber Karl Heinz Bohrer 'die Riesensilhouette der Mutter, die in der Küche unentwegt für die Kinder vom großen Laibe Brotstücke abschneidet, immer dasselbe Brot, Tag für Tag, seit Jahren'.

Spannend wird es erst, wenn Mutti der Kinderschar erklären muss, dass außer dem Tresor auch die Speisekammer leergeräumt wurde." (Thorsten Hinz in der Printausgabe der Jungen Freiheit, 27.09.13)

20. September 2013

Meiner verehrungswürdigen Großmutter zu ihrem 72. Geburtstag (Friedrich Hölderlin)

„Ich habe viele Autoren geliebt, die sehr unterschiedlich sind. Dostojewskij und Hölderlin liebe ich sehr.

Von Hölderlin möchte ich das Gedicht zum Geburtstag seiner Großmutter erwähnen, das eine große Schönheit besitzt. Es ist für mich auch spirituell sehr schön. Es schließt mit dem Vers, dass der Mensch das behält, was das Kind versprochen hat. Das hat mich sehr gerührt, denn ich habe meine Großmutter Rosa sehr geliebt. Und da stellt Hölderlin seine Großmutter neben Maria, die Jesus geboren hat. Er ist für sie der Freund auf Erden, der niemanden als Fremden betrachtet hat."
(Papst Franziskus im Gespräch mit Antonio Spadaro SJ, hier und hier)

Meiner verehrungswürdigen Großmutter zu ihrem 72. Geburtstag

Vieles hast du erlebt, du teure Mutter! und ruhst nun
Glücklich, von Fernen und Nahn liebend beim Namen genannt,
Mir auch herzlich geehrt in des Alters silberner Krone
Unter den Kindern, die dir reifen und wachsen und blühn.
Langes Leben hat dir die sanfte Seele gewonnen
Und die Hoffnung, die dich freundlich in Leiden geführt.
Denn zufrieden bist du und fromm, wie die Mutter, die einst den
Besten der Menschen, den Freund unserer Erde, gebar. –
Ach! sie wissen es nicht, wie der Hohe wandelt' im Volke,
Und vergessen ist fast, was der Lebendige war.
Wenige kennen ihn doch und oft erscheinet erheiternd
Mitten in stürmischer Zeit ihnen das himmlische Bild.
Allversöhnend und still mit den armen Sterblichen ging er,
Dieser einzige Mann, göttlich im Geiste, dahin.
Keines der Lebenden war aus seiner Seele geschlossen
Und die Leiden der Welt trug er an liebender Brust.
Mit dem Tode befreundet' er sich, im Namen der andern
Ging er aus Schmerzen und Müh siegend zum Vater zurück.
Und du kennest ihn auch, du teure Mutter! und wandelst
Glaubend und duldend und still ihm, dem Erhabenen, nach.
Sieh! es haben mich selbst verjüngt die kindlichen Worte,
Und es rinnen, wie einst, Tränen vom Auge mir noch;
Und ich denke zurück an längst vergangene Tage,
Und die Heimat erfreut wieder mein einsam Gemüt,
Und das Haus, wo ich einst bei deinen Segnungen aufwuchs,
Wo, von Liebe genährt, schneller der Knabe gedieh.
Ach! wie dacht ich dann oft, du solltest meiner dich freuen,
Wann ich ferne mich sah wirkend in offener Welt.
Manches hab ich versucht und geträumt und habe die Brust mir
Wund gerungen indes, aber ihr heilet sie mir,
O ihr Lieben! und lange, wie du, o Mutter! zu leben
Will ich lernen; es ist ruhig das Alter und fromm.
Kommen will ich zu dir; dann segne den Enkel noch Einmal,
Daß dir halte der Mann, was er, als Knabe, gelobt.

17. September 2013

Warum ich am 22.09. die AfD wählen werde

"Mit Ausnahme der FDP sind alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 nach links gerückt,"
zitierte die ZEIT gestern eine wissenschaftliche Studie; der Linksschwenk gehe vor allem auf die stärkere Betonung von sozialer Gerechtigkeit und vermehrten Forderungen nach einem Ausbau des Wohlfahrtsstaates zurück. 

Wer CDU/CSU, SPD, Grüne oder LINKE wählt, wird mehr Umverteilung und mehr Staat bekommen, und zwar nicht mehr nur in nationalstaatlichem, sondern in europäischem Rahmen; nicht bekommen wird er: mehr Marktwirtschaft und einen schlankeren Staat.

Mehr Umverteilung, das heißt nichts anderes als eine weitere Schwächung von Eigentum und Eigenverantwortlichkeit und eine noch stärkere Indienstnahme des Staates durch unverantwortliche Interessengruppen.

Mehr Staat, das heißt: Stärkung der Bürokratien, Schwächung der Familie, Aushöhlung bürgerlicher Rechte.

Das sind in meinen Augen trübe Aussichten.

Nun gibt es den einen oder anderen, der in dieser Situation dazu rät, FDP zu wählen, um eine Große Koalition oder Rot-Rot-Grün zu verhindern.

Nun, Rot-Rot-Grün ist ein von interessierter Seite an die Wand gemaltes Schreckgespenst. Ich halte es für vollkommen undenkbar, dass die Kaum-30-Prozent-Partei SPD sich auf ein solches Volksfrontbündnis einlassen wird.

Die Große Koalition aber ist nicht zu verhindern; schon aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat besteht sie faktisch seit Jahren, und die FDP hat kaum etwas dazu getan, auch nur die gröbsten staatswirtschaftlichen Exzesse zu verhindern.
"Wie weit sich die FDP von grundlegenden ordnungspolitischen Prinzipien entfernt hat, ist nirgends besser zu sehen als in der Euro-Krisenpolitik. Hier wirkt die FDP nur noch als ein Anhängsel von CDU-Finanzminister Schäuble.

Kein Wunder, dass manch wettbewerblich orientierter Wähler bei der neuen Partei AfD die besseren, marktwirtschaftlichen Argumente findet",
schrieb die FAZ gestern.

Bevor sich die FDP nicht von Grund auf erneuert - und dies wird ohne Verabschiedung des derzeitigen Führungspersonals nicht möglich sein -, ist sie in meinen Augen keine Alternative zum sozialdemokratischen Block, sondern nur dessen 'liberales' Feigenblatt.

Wünschen wir der FDP - die große Verdienste um die Bundesrepublik hat - also eine Regenerationsphase in der außerparlamentarischen Opposition und geben wir der 'Alternative für Deutschland' die Chance, ihre Argumente für ein Europa souveräner Staaten, für eine freiheitliche Wirtschaftsordnung, für die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und für ein leistungsgerechtes Steuerrecht ab dem 23.09.2013 im Deutschen Bundestag vorzutragen.

Meine Stimme hat sie.

Siehe auch:
Bemerkungen eines ultramontanen Steinzeitliberalen
Im Zweifel rechts
Meine Wahl: die Alternative für Deutschland (auf dem Blog: Pro Spe Salutis)

16. September 2013

Ein guter Grund, AfD zu wählen

Walter Lippmann (1889 - 1974)

"When men are brought face to face with their opponents, forced to listen and learn and mend their ideas, they cease to be children and savages and begin to live like civilized men.

Then only is freedom a reality, when men may voice their opinions because they must examine their opinions."
(The Indispensable Opposition, 1939)